1/9 Heute: Das Meer + Sonderprogramm
Die Bediensteten freuen sich jedesmal, wenn ich mit meiner als Objektiv getarnten Thermotasse um die Ecke kommt und um heißes Wasser bitte, welches ich auch ohne Anstehen anstandslos bekomme. Danach gehts aufs Deck und ich versuche, ein möglichst schattiges Plätzchen, und noch dazu einen der raren Sessel zu finden. Das nächste Kunststück besteht darin, niemand in unmittelbarer Umgebung zu haben, der oder die das Handy so laut hat, daß man es noch 10m gegen den Wind hört.
Leider gehört Lautstärke gerade in südlicheren Kulturkreisen scheinbar zum guten Ton, und so sind auch Gruppengespräche für jedermann im größeren Umkreis hörbar. In meinem Fall fühle ich mich immer auf der Flucht, als Verlierer auf der Suche nach Ruhe. Ich wünsche mir eine Ruhepolizei an Board.
Zeit für ein kleines Resümee über Marokko. ‚The Landscape is beautiful‘ habe ich immer geantwortet, wenn ich von Einheimischen nach meinen Eindrücken gefragt wurde. Die Landschaft ist wahrhaftig wunderschön und über alles erhaben. Gibt es überhaupt schlechte Landschaft? Nein! Ich wurde mal gefragt, nach dem ich nun über die Jahre doch einige postkartenreife Landstriche gesehen habe, obs mir dann zu Hause überhaupt noch gefällt. Und ob! Ich mag den Wald hinterm Haus zu Hause genau so wie Fjorde in Norwegen oder die Masuren in Polen. Natur ist keine Hitparade. Natur ist alles. Gäbe es keine Menschen, gäbe es keine Grenzen, alles wäre eins. Mein Problem ist immer nur zu viel Zivilisation.
Doch zurück zu Marokko. Das Land hat Potential, was den Tourismus betrifft. Wenn, ja wenn sie nur ihr Müllproblem in den Griff bekommen würden.
Der andere negative Aspekt: die Straßen! Oder besser gesagt, die Nichtstraßen! Je schöner die Gegend, um so schlechter die Straßen. Offroad fährt es sich oft besser als auf Nebenstraßen. Die Autobahnen sind im sehr guten Zustand, oft besser als in Deutschland. Kostet schließlich auch Maut der Spass.
Und zwischenmenschlich? Ich weiß nicht so richtig. Zu hoch sind die Sprachbarrieren. Des Arabischen überhaupt nicht mächtig, dem französischem oder spanischen auch nicht, bliebe nur noch englisch. Das wiederum überwiegend nur die Jugend beherrscht. Bis auf den alten Mann in Marrakesch!
Zurück zum hier und jetzt. Das Kino hat neben „Das Meer – Directors Cut“ heute noch einen weiteren Film im Sonderprogramm: „Barcelona“. Ein Zwischenstopp um Mitternacht lässt leider nicht viel von der Stadt erkennen. Lediglich das Schifffahrtsmuseum ist zu bewundern und ein fernes Grollen eines Sommergewitters über dem Mittelmeer.