• Maghreb - Wo die Sonne untergeht

    20/8 Wagnis

    Nach Einwerfen diverser legaler Drogen und Vitamine sind zumindest die Gliederschmerzen wieder verschwunden. Was bleibt, ist ein Grummeln im Bauch und ein leichtes Schwindelgefühl. Schwindeln wird mir seit meiner Kindheit attestiert. Mit dem tags zuvor besorgtem Mietwagen machen wir uns auf den Weg nach Essaouira an der Westküste. 170km durch fast nichts und nur eine handvoll Ortschaften.Fichte fährt, und es obliegt mir, die Rolle des Querulanten zu übernehmen. „Mir ist schlecht!“, „Wann sin’mern da?“ und „Ich muß mal!“. Der vielen Polizeikontrollen wegen fahren wir sehr gediegen und mit Kaffeepause dem Atlantik entgegen. In Essaouira angekommen, wird uns beiden dann doch ein wenig schlecht. Die gebuchte Unterkunft innerhalb der Medina entspricht…

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    19/8 Auf Abwegen

    Krank! Von null auf gleich. Der Bauch spielt verrückt und die Glieder schmerzen. Den morgendlichen Einkauf besorge ich noch mit. Vor allem das begehrte Bier wird besorgt. Doch das werde ich wohl so schnell nicht mehr anrühren. Im Laufe des Tages geht es mir immer schlechter, bis ich mehr und mehr vom Halbschlaf in den Vollschlaf abdrifte.Nur kurz kommuniziere ich hin und wieder mit Fichte, der ab und zu draußen rumschwirrt. Kann mir aber nicht merken, worum es geht. Angst umschleicht mich, ob ich meine Reise fortsetzen kann.Jetzt muß die Reisemedizin helfen, Geduld, und ein paar Vitamine. Es ist unangenehm, Fichte gegenüber den sterbenden Schwan zu spielen, aber in der…

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    18/8 مراكش ⵎⵕⵕⴰⴽⵛ Marrakesch

    Die letzte Nacht des Boris Gruschenko! Nein. Die letzte Nacht setzt dem Erlebnis El Jadida die Krone auf. Gegen 2 begab ich mich zu Bett, was in Deutschland durchaus als spät bezeichnet wird. Im Nachhinein hätte ich bis zwei schlafen sollen und anschließend das marokkanische Nachtleben in schmalen Gassen genießen sollen.Kurz nach zwei findet sich eine Familie mit Kindern ein. Es ist niemand leise, und es scheint die richtige Zeit zu sein, sich bei offenem Fenster um den Abwasch zu kümmern. Und gegen 3 fängt gegenüber von meinem Fenster das Nachtgebet an. Bei offener Tür dringt lautstark Gebetsgesang und eine TV-Soap in die Gasse hinaus. Ja, beides zur gleichen Zeit.…

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    17/8 El Jadida

    Der Kaffee – ich möchte fast sagen ein Wahrzeichen Marokkos – war ausgerechnet in diesem schönen Ambiente das schlechteste, was mir bisher in diesem Land über die Zunge rann. Serviert in einer lieblosen 2l-Pumpkanne schmeckte er eklig, wie in deutschen Autobahn-Raststätten. Es wird ein Omen sein für diesen Tag. Aus Rabat raus geht es auf schnellstem Weg Richtung El Jadida. Und weil ich es heute richtig gut meine mit dem Hitzeschutz, kippe ich nicht nur ein bißchen Wasser zum Kragen rein, sondern bade es gleich mein ganzes Shirt im Wasser.Ein Fehler, wie sich bei hoher Geschwindigkeit auf der Autobahn herausstellt. Mir wird mächtig kalt und ich hab Angst, ich hole…

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    16/8 Rabat

    Da ich beim Cafe neben der Herberge auch nach 20 Minuten noch nicht bedient werde, sattle ich die AWO und halte auf den Straßen Ausschau nach einer alternativen Frühstücksmöglichkeit. Ich werde fündig. Und obwohl ich die Karte wünsche passiert erst mal wieder 10 Minuten nichts. Und das, obwohl kaum Gäste da sind.Als ich drauf und dran war, wieder zu gehen, biegt der Chef mit einem Frühstück um die Ecke. Ui, geliefert, wie nicht bestellt, aber gewollt. Und bevor sich das als Irrtum herausstellt, halte ich schnell meine Finger rein und beiße überall ab, damit es mir nicht wieder entrissen wird. Ich mache mich auf den Weg nach Larache, der einzigen…

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    15/8 Der Flug der Phoenix

    Nach dem gemeinsamen Frühstück mit Ali, Alae – was wohl eine Kurzform für Aladin ist, wie ich mir erklären lasse – und einer hungrigen Katze, die mir sogar die Füße leckt, gehts heute Richtung Küste, um der großen Hitze für die nächsten 3 bis 4 Tage zu entgehen. Ich suche mir Asilah im Nordwesten aus und werde von dort aus die Küste nach Süden folgen. Spätestens am Montag werde ich dann irgendwo Richtung Marrakesch abbiegen.Von Ali bekomme ich noch folgenden goldwerten Tipp mit auf dem Weg für, nein, gegen die Hitze: Motorradklamotten komplett an und schön kaltes Wasser oben zum Kragen reinkippen. Und das jede Stunde wiederholen. Es sollte sich…

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    14/8 Djebli Club

    Wie das so ist im Urlaub, zieht sich das Frühstück gern mal bis zum Mittag hin. Vom gemeinsamen Ausflug mit Ziyad ins Rifgebirge wird leider nichts, da auch hier der Wald, oder eher der Busch brannte und Straßen gesperrt sind. Dafür bekomme ich noch einen Tipp mit auf dem Weg, in eine Art Künstler-Camp zu schauen, den Djebli Club.Die 170km ins Land sind meine erste echte Berührung mit Marokko. Und mit der enormen Hitze dieser Tage ebenfalls! Bin auch selber Schuld daran. Die Reiseempfehlung für Marokko ist Oktober bis Mai, nicht von Mai bis Oktober. Also, Steppe ist in der Steppe. In den kleinen Dörfern ist kaum eine Menschenseele zu…

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    13/8 Afrika

    Da liegt es also vor mir. Das ganze Gepäck. Und natürlich Afrika. Ein kleiner Dreh am Gasgriff, ein großer Satz für mich und meine Awo! wobei, für eine Awo ist es nicht das erste mal. Bereits in den 50ern absolvierte die DDR mit IFA- und Simson-Fahrzeugen Testfahrten in Ägypten.Nach 50m auf marokkanischem Boden muß ich wieder zurück auf die Fähre.Der Stempelbevollmächtigte an Board hat keinen Stempel in meinen Pass gemacht und ich habe nicht aufgepasst. Von den 4 Kontrollen allein im Hafen hat gleich die erste gesagt „Du kommst hier net nei!“. Jedenfalls nicht ohne Stempel. Nun arbeitet so ein marokkanischer Polizist ja nicht allein. Der erste sagt, zurück aufs…

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    12/8 Heute im Kino: Das Meer

    Ein Kaffee am Morgen, vertreibt … ja was eigentlich? Nach dem Frühstück frage ich den 1. Offizier, ob ich unter Deck AWO fahren darf. Seine Gegenfrage, ob ich mal den goldenen Rettungsring ausprobieren möchte, lässt auf nein schließen. Abseits dieser echt wahren Geschichte, gibt es Zeit für Dinge, die sonst viel zu kurz kommen im Leben. Mehrere Stunden lesen in „Jupiters Träume“ von Ted Simon, einem Weltenbummler auf zwei Rädern, Seele baumeln lassen, Mittagsschlaf machen, Kaffee und Biskuit, wieder lesen, Ted ein paar Zeilen schreiben. Beim Abendbrot ziehe ich meine Lehren aus dem Vorabend und vertilge die eigens aus Frankreich mitgebrachte Salami und Obst. Dann noch mal lesen und Sonnenuntergang…

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    11/8 Au revoir l’Europe

    Nach Kaffee und selfmade-Frühstück gehts wieder in den Sattel, die letzten Kilometer bis Marseille geschruppt. Avignon muß ich mir diesmal kneifen. Bis runter zur Côte d’Azur ist alles rot auf der Karte der französischen Umweltzonen. Heißt Einfahrverbot für mich, und ich suche mir ein Stück links von Marseille ein kleines Nest an der Küste. So mit Eisenbahnviadukt und hoffentlich schönem Eis. Auf dem Weg dahin habe ich aber mit Temperaturen über 35°C zu kämpfen. Einige Staus umfahre ich galant auf dem Standstreifen. Und als ich meinem Glück in Form von Eis und Blick aufs Meer schon verdammt nah bin, versperrt mir ein Wärter mit Schranke unten den Weg und sagt…