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Prolog
Istanbul! Hagia Sophia! Und dann übern Bosporus nach Asien! Als Ex-DDRler mit der AWO ein Traum. Doch dann meldete sich Fichte, ein Freund aus gemeinsamen Fußballtagen und gerade auf Weltreise, und erzählte mir was von Marokko im August. Soso, im August, denke ich. Für jemand, der so gut wie nie was bucht, fällt es mir natürlich leicht, alle Reisepläne über den Haufen zu schmeißen und die Route komplett zu ändern. Wir haben es in über 5 jahren nicht geschafft, mal wieder ein Bier miteinander zu trinken, obwohl wir nur 15km auseinander wohnen. Zeit, die Sache endlich mal in angriff zu nehmen. Was liegt also näher, als es in Marrakesch in…
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4/8 (K)ein Start
Heute ist „Prolog“ die treffende Bezeichnung. Wie beim Radsport, nur warm fahren. Es ist Montag und somit Schontag, und so treibt es mich vom home castle nur bis zum second home small castle nach Mellingen. Bis Freitag muß ich auf Arbeit noch meine Pflicht erfüllen, bevor es dann aber wirklich heißt: Licht aus, Mopete an, und dann mach ich den flying awocycleman nach Timbuktu. Na gut, Marrakesch, wollens nicht gleich übertreiben.Doch bevor es losgeht muß beim Autoservice Borsdorf noch mal das Metallheißklebegerät angeworfen werden.Die Auspuffhalterung war schon in Urlaubsstimmung und hat einfach mal locker gelassen. Ausdrücklich: das ist nicht die erste Panne! Dies geschah auf einer Testfahrt, welche nicht Teil…
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8/8 Tschüssikowski
Freitag, 13 Uhr, ich halts nicht mehr aus. Ich platze ins Teammeeting meiner Vorgesetzten und mach winke winke. Auf die Frage „Jetzt schon?“ winke ich nochmals und verschwinde. Vor ‚geht los‘ kommt jedoch erst mal Baumarkt. Ein sortierter Blick am Vorabend in unsortiertes Werkzeug förderte zu Tage, daß ich zwar noch alle Nüsse beieinander habe, jedoch nicht die Ratsche, um die Nüsse zur Funktion zu überreden. Ach ja, ebenfalls am Vorabend habe ich noch meinen Luftfilter saharafest gemacht. Irena vom Thüringer AWO-Stammtisch bietet mir ein Nachtlager bei Würzburg an. Und am Abend – es wohnen übrigens einige thüringer AWO-Fahrer in Würzburg – gibts so zu sagen noch ein kleines Stammtischtreffen…
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9/8 Autobanien
Nach ausgiebigem Frühstück verabschiede ich mich gegen Mittag und düse weiter gen Süden. Eigentlich schon ziemlich spät, wenn man 500km am Tag schaffen will. Hinter Karlsruhe bin ich reif für eine Pause und finde einen Waldweg an einem Wasserlauf. Ich schaue den Forellen zu und döse vor mich hin. Beim Studieren der Karte und der Uhrzeit wird klar, 500km sind heute nicht zu schaffen. Nicht mit so wenig Schlaf und so viel Hitze.Zum Nachmittag drückt die Sonne anständig und es sind wohl über 30 Grad. Ein Vorgeschmack auf Marokko. Zelt bei der Wärme? Ich studiere erst mal booking.com und muß feststellen, im Umkreis von Basel gehts kaum unter hundert Euro…
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10/8 Le Autobahnion
Das Bett zu kurz und die Temperatur zu hoch. Nach einer unausgewogenen Nacht, aber reichlich Kaffee zum Frühstück starte ich mal wieder zu spät, um 500km am Tag zu schaffen. Bis zum frühen Nachmittag ist es in Bewegung noch sehr angenehm. Danach geht es unerbittlich auf Mitte 30 Grad.Der Vorteil: ich gewöhne ich mich so schon ein bißchen an die marokkanische Klimazone. Vom Tag bleibt heute fast nichts außer endlose Autobahn. Kilometer für Kilometer knabbert die AWO klaglos das lange Asphaltband Richtung Marseille weg. Allerdings mit einen für meinen Geschmack etwas zu hohen Ölverbrauch. Da muß ich meine Reserven im Auge behalten und notfalls nachkaufen. Nervig ist hingegen das Tanken,…
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11/8 Au revoir l’Europe
Nach Kaffee und selfmade-Frühstück gehts wieder in den Sattel, die letzten Kilometer bis Marseille geschruppt. Avignon muß ich mir diesmal kneifen. Bis runter zur Côte d’Azur ist alles rot auf der Karte der französischen Umweltzonen. Heißt Einfahrverbot für mich, und ich suche mir ein Stück links von Marseille ein kleines Nest an der Küste. So mit Eisenbahnviadukt und hoffentlich schönem Eis. Auf dem Weg dahin habe ich aber mit Temperaturen über 35°C zu kämpfen. Einige Staus umfahre ich galant auf dem Standstreifen. Und als ich meinem Glück in Form von Eis und Blick aufs Meer schon verdammt nah bin, versperrt mir ein Wärter mit Schranke unten den Weg und sagt…
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12/8 Heute im Kino: Das Meer
Ein Kaffee am Morgen, vertreibt … ja was eigentlich? Nach dem Frühstück frage ich den 1. Offizier, ob ich unter Deck AWO fahren darf. Seine Gegenfrage, ob ich mal den goldenen Rettungsring ausprobieren möchte, lässt auf nein schließen. Abseits dieser echt wahren Geschichte, gibt es Zeit für Dinge, die sonst viel zu kurz kommen im Leben. Mehrere Stunden lesen in „Jupiters Träume“ von Ted Simon, einem Weltenbummler auf zwei Rädern, Seele baumeln lassen, Mittagsschlaf machen, Kaffee und Biskuit, wieder lesen, Ted ein paar Zeilen schreiben. Beim Abendbrot ziehe ich meine Lehren aus dem Vorabend und vertilge die eigens aus Frankreich mitgebrachte Salami und Obst. Dann noch mal lesen und Sonnenuntergang…
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13/8 Afrika
Da liegt es also vor mir. Das ganze Gepäck. Und natürlich Afrika. Ein kleiner Dreh am Gasgriff, ein großer Satz für mich und meine Awo! wobei, für eine Awo ist es nicht das erste mal. Bereits in den 50ern absolvierte die DDR mit IFA- und Simson-Fahrzeugen Testfahrten in Ägypten.Nach 50m auf marokkanischem Boden muß ich wieder zurück auf die Fähre.Der Stempelbevollmächtigte an Board hat keinen Stempel in meinen Pass gemacht und ich habe nicht aufgepasst. Von den 4 Kontrollen allein im Hafen hat gleich die erste gesagt „Du kommst hier net nei!“. Jedenfalls nicht ohne Stempel. Nun arbeitet so ein marokkanischer Polizist ja nicht allein. Der erste sagt, zurück aufs…
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14/8 Djebli Club
Wie das so ist im Urlaub, zieht sich das Frühstück gern mal bis zum Mittag hin. Vom gemeinsamen Ausflug mit Ziyad ins Rifgebirge wird leider nichts, da auch hier der Wald, oder eher der Busch brannte und Straßen gesperrt sind. Dafür bekomme ich noch einen Tipp mit auf dem Weg, in eine Art Künstler-Camp zu schauen, den Djebli Club.Die 170km ins Land sind meine erste echte Berührung mit Marokko. Und mit der enormen Hitze dieser Tage ebenfalls! Bin auch selber Schuld daran. Die Reiseempfehlung für Marokko ist Oktober bis Mai, nicht von Mai bis Oktober. Also, Steppe ist in der Steppe. In den kleinen Dörfern ist kaum eine Menschenseele zu…
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15/8 Der Flug der Phoenix
Nach dem gemeinsamen Frühstück mit Ali, Alae – was wohl eine Kurzform für Aladin ist, wie ich mir erklären lasse – und einer hungrigen Katze, die mir sogar die Füße leckt, gehts heute Richtung Küste, um der großen Hitze für die nächsten 3 bis 4 Tage zu entgehen. Ich suche mir Asilah im Nordwesten aus und werde von dort aus die Küste nach Süden folgen. Spätestens am Montag werde ich dann irgendwo Richtung Marrakesch abbiegen.Von Ali bekomme ich noch folgenden goldwerten Tipp mit auf dem Weg für, nein, gegen die Hitze: Motorradklamotten komplett an und schön kaltes Wasser oben zum Kragen reinkippen. Und das jede Stunde wiederholen. Es sollte sich…