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16/8 Rabat
Da ich beim Cafe neben der Herberge auch nach 20 Minuten noch nicht bedient werde, sattle ich die AWO und halte auf den Straßen Ausschau nach einer alternativen Frühstücksmöglichkeit. Ich werde fündig. Und obwohl ich die Karte wünsche passiert erst mal wieder 10 Minuten nichts. Und das, obwohl kaum Gäste da sind.Als ich drauf und dran war, wieder zu gehen, biegt der Chef mit einem Frühstück um die Ecke. Ui, geliefert, wie nicht bestellt, aber gewollt. Und bevor sich das als Irrtum herausstellt, halte ich schnell meine Finger rein und beiße überall ab, damit es mir nicht wieder entrissen wird. Ich mache mich auf den Weg nach Larache, der einzigen…
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17/8 El Jadida
Der Kaffee – ich möchte fast sagen ein Wahrzeichen Marokkos – war ausgerechnet in diesem schönen Ambiente das schlechteste, was mir bisher in diesem Land über die Zunge rann. Serviert in einer lieblosen 2l-Pumpkanne schmeckte er eklig, wie in deutschen Autobahn-Raststätten. Es wird ein Omen sein für diesen Tag. Aus Rabat raus geht es auf schnellstem Weg Richtung El Jadida. Und weil ich es heute richtig gut meine mit dem Hitzeschutz, kippe ich nicht nur ein bißchen Wasser zum Kragen rein, sondern bade es gleich mein ganzes Shirt im Wasser.Ein Fehler, wie sich bei hoher Geschwindigkeit auf der Autobahn herausstellt. Mir wird mächtig kalt und ich hab Angst, ich hole…
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18/8 مراكش ⵎⵕⵕⴰⴽⵛ Marrakesch
Die letzte Nacht des Boris Gruschenko! Nein. Die letzte Nacht setzt dem Erlebnis El Jadida die Krone auf. Gegen 2 begab ich mich zu Bett, was in Deutschland durchaus als spät bezeichnet wird. Im Nachhinein hätte ich bis zwei schlafen sollen und anschließend das marokkanische Nachtleben in schmalen Gassen genießen sollen.Kurz nach zwei findet sich eine Familie mit Kindern ein. Es ist niemand leise, und es scheint die richtige Zeit zu sein, sich bei offenem Fenster um den Abwasch zu kümmern. Und gegen 3 fängt gegenüber von meinem Fenster das Nachtgebet an. Bei offener Tür dringt lautstark Gebetsgesang und eine TV-Soap in die Gasse hinaus. Ja, beides zur gleichen Zeit.…
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19/8 Auf Abwegen
Krank! Von null auf gleich. Der Bauch spielt verrückt und die Glieder schmerzen. Den morgendlichen Einkauf besorge ich noch mit. Vor allem das begehrte Bier wird besorgt. Doch das werde ich wohl so schnell nicht mehr anrühren. Im Laufe des Tages geht es mir immer schlechter, bis ich mehr und mehr vom Halbschlaf in den Vollschlaf abdrifte.Nur kurz kommuniziere ich hin und wieder mit Fichte, der ab und zu draußen rumschwirrt. Kann mir aber nicht merken, worum es geht. Angst umschleicht mich, ob ich meine Reise fortsetzen kann.Jetzt muß die Reisemedizin helfen, Geduld, und ein paar Vitamine. Es ist unangenehm, Fichte gegenüber den sterbenden Schwan zu spielen, aber in der…
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20/8 Wagnis
Nach Einwerfen diverser legaler Drogen und Vitamine sind zumindest die Gliederschmerzen wieder verschwunden. Was bleibt, ist ein Grummeln im Bauch und ein leichtes Schwindelgefühl. Schwindeln wird mir seit meiner Kindheit attestiert. Mit dem tags zuvor besorgtem Mietwagen machen wir uns auf den Weg nach Essaouira an der Westküste. 170km durch fast nichts und nur eine handvoll Ortschaften.Fichte fährt, und es obliegt mir, die Rolle des Querulanten zu übernehmen. „Mir ist schlecht!“, „Wann sin’mern da?“ und „Ich muß mal!“. Der vielen Polizeikontrollen wegen fahren wir sehr gediegen und mit Kaffeepause dem Atlantik entgegen. In Essaouira angekommen, wird uns beiden dann doch ein wenig schlecht. Die gebuchte Unterkunft innerhalb der Medina entspricht…
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21/8 Essaouira, wie es glänzt und riecht
Ein gutes Café zum Frühstück finden wir keine 87,6km, ähm, Meter entfernt von unserem Quartier, welches wir pünktlich zum Mittagstisch einnehmen. Früher ging nicht, da wir erst mal die spielenden Kinder und die möbelrückenden Obermieter gegen halb zwei über uns ergehen lassen mußten. Übrigens, was spielende Kinder um Mitternacht auf marokkanischen Spielplätzen betrifft, daß gehört hier zur Normalität in Marokko. Fichte und ich gucken nicht schlecht aus der Wäsche, als auf unserem gestrigen Heimweg in der Dunkelheit Plaste-Tretautos mit bunten Blinklichtern fast über die Füße fuhren, deren Führer das 7. Lebensjahr auf keinen Fall überschritten haben dürften. Wir genießen ein ausgedehntes Frühstück in einem Café, wie wir es kaum besser…
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22/8 Jimi war hier
Da das gestrige Café einen sehr gediegenen Eindruck machte, brauchten wir nicht lange überlegen, wo wir zum Frühstück abchillen wollten. Etwas südlich ausserhalb von Essaouira gab es 3 Dinge als Anlaufpunkte, welche die Basis für unseren heutigen Ausflug bildeten. Beginnen wir mit Nummer eins: das Jimi Hendrix Café. Der best guitar player of the world hat sich hier wohl wenige Tage vor dem legendären Woodstock-Festival aufgehalten. Angeblich inspirierte ihn die nahegelegene Ruine des Sultan-Palastes zum Song ‘Castles Made Of Sand’. Was wohl nicht ganz stimmt, denn er hätte bereits 2 Jahre zuvor, wo der Song entstand, von der Ruine wissen müßen. Wobei wir hier schon bei Punkt zwei unseres Ausflugs…
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23/8 Zurück in die Zukunft
Heute ist Schreibpause. Nicht mehr als 100 Wörter. Wir sind nach unserem Lieblings-Café wieder Richtung Heimat aufgebrochen. 36 Stunden später waren wieder wieder in Leipzig. Ist natürlich Blödsinn. Wobei, Fichte macht sowas und ist in zwei Tagen wirklich wieder zu Hause. Also zurück nach Marrakesch. Nach Süßkrambesorgung beim Bäcker nebenan, chillen wir bei Kaffee noch etwas ab. Mein Abstecher in das Herz von Marrakesch verschiebe ich auf morgen. Schließlich ist Urlaub und ich hab die Bude noch für zwei Tage. Und abends gibts dann endlich die ersten Nudeln auf meiner Reise. Leider ist Fichte der Meinung, diese nach dem Abtropfen noch mal anständig im Waschbecken verteilen zu müßen. Dies kommt…
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24/8 Marrakesch in Zeit und Raum
Sehr früh am Morgen mach ich mich nun auf, um mit der AWO mitten ins Herz von Marrakesch vorzustoßen. Mitten hinein in die Medina. Nicht, daß es Sinn machen würde, in engen Gassen zwischen Menschenmengen mit dem Motorrad zu manövrieren und dabei niemand über den Fuß zu fahren.In Deutschland wäre dieses Schauspiel undenkbar. Die Einheimischen brettern ganz anständig mit ihren kleinen Maschinen durchs Gewühl, und, da es nun mal erlaubt ist, auch ich nun. Am Stadttor Bab Agnaou werde ich auch gleich richtig willkommen geheißen. Aus dem Stadttor kommt ein ziemlich alt aussehender Mann auf mich zu und fragt mich nach meiner Herkunft. Auf meine Antwort „Germany“ hin meinte er…
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25/8 Auf dem Dach Marokkos
Verwegene 400km stehen heute als Ziel auf meinem Navi, als ich mich auf dem Weg nach Tinghir mache. Völlig illusorisch, wenn man sich die Streckendetails anschaut und die Uhrzeit, um die ich starte. Ich komme mal wieder nicht aus dem Quark und hab die Nacht auch schlecht geschlafen. Egal, erst mal raus aus Marrakesch und später den Abzweig in die Berge nicht zu verpassen. Am Abzweig angelangt hab ich dann noch mal nachgedacht, was man so in den Bergen braucht: Sicherungsseil, Fernglas, frische Schlüpper, und Sandaletten. Nur eins hab ich vergessen: Benzin. Also wieder 10km zurück und getankt. Und nun rein ins Vergnügen. Es geht am Anfang noch gemächlich zu.…