Maghreb - Wo die Sonne untergeht

2/9 Okzitanien

Okzitanien, oder einfach mal nichts. Nicht immer muß es schon die Überschrift sein, die den Spannungsbogen aufbaut. Ich kann mir vorstellen, daß 4 von meinen 5 oder 6 Lesern oftmals garnichts anzufangen wissen mit meinen Überschriften. Was da im Kopf von Steppe abgeht, ist mir manchmal selbst ein Rätsel.
Oftmals ist es so, daß sich im Laufe des Tages Musik oder Filmsequenzen in meinem Hirn manifestieren, die sich bis Abends so eingebrannt haben, daß ich sie gern in den Notizen verwenden möchte. Dabei ergibt es nicht immer Sinn, wenn ich diese Gedanken mit Erlebten in Bezug setze. Meist ist es nur das Feeling, die Stimmung eines Liedes oder Films, daß ich zum Gleichnis setze.
Und was war heute los? Nichts und doch allerhand. Runter vom Dampfer, knappe hundert Kilometer Straße ohne ein einziges Schlagloch, Campingplatz gesucht und gefunden, und dann die Kulthandlung schlechthin: Nudeln kochen vorm Zelt. Und weils nun mal eine Weingegend ist, mußte ich mich nicht lange gegen mich selbst wehren, und hab eine Flasche Rosé aus der Umgebung geordert. Sollte euch der Text etwas seltsam vorkommen diesmal, nun wisst ihr, warum. Santé!
Nach halbleerer Weinflasche und mit fertigem Text, welchen ich in der Freiluftbar des Campingplatzes verfasst habe, gesellt sich ein Sizilianer mit Klampfe zu mir und wir beginnen zu konversatieren. Er gibt 3 Stücke zum Besten, wovon die ersten beiden klassischer Blues sind. So ein bißchen wie Blind Willie McTell. Das kuriose: er kennt sich mit den Bluesgrößen garnicht aus. Er spielt einfach, was ihm vom hören her gefällt. Ich tauche in sein Leben ein, die durch sein Erzählen sehr greifbar wird. Durch die Orte seines Lebens, durch die sehr nahbar wirkende Geschichte seiner Schaffenskraft, alles geschieht auf Augenhöhe und macht diesen Moment, diesen Abend zu etwas ganz besonderen.
Über manche Themen, die wir abhandeln, weiß er Bücher zu nennen. So weiß er über den Mauerfall Bescheid und dessen soziale Folgen für die Menschen der ehemaligen DDR.
Für solche, wie aus dem Nichts entspringenden schicksalhaften Begegnungen bin ich unendlich dankbar. Neben all den ‚beautiful landscapes‘ bleiben diese Momente für immer hängen. Mindestens bis die Demenz einem alles wieder klaut. Gegen eins in der Früh verabschieden wir uns, aber nur bis zum Frühstück.

Details
20250902

2 Comments

Leave a Reply

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert