Apenas ar quente em Portugal?

27/08 Lisboa e o Cabo da Roca

Halb in Schräglage überwinde ich den Tejo über die Vasco-da-Gama-Brücke. Mit 12.3km Länge einst die längste Brücke Europas, bis die Russen ihre Krimbrücke gebaut haben. Es weht an anständiger Wind landeinwärts und ich vollführe einen anständigen Eiertanz auf der Straße. Dann auf direktem Wege in die Altstadt von Lissabon die tagszuvor markierten Punkte angesteuert, ohne zu wissen, ob ich die überhaupt erreiche. Lissabon hat Umweltzonen, und Altstädte sind nicht selten autofrei. Von den Umweltzonen bekomme ich nichts mit, vielleicht weil ich es auch garnicht genau wissen will. Ich möchte mein Foto mit AWO und eine dieser alten Straßenbahnen haben. Tja, und autofrei gibts auch nicht, stattdessen Stau in allen Gassen. Das Schienennetz ist nicht auf Hochglanz poliert, erinnert mich doch sehr an DDR-Zeiten, wo du gut aufpassen mußt, wenn du im Schienenbett fährst. In den teils steilen Gassen nicht ungefährlich. Wenn ich die AWO für ein Foto mit Straßenbahn positioniere, beobachte ich mit Freude, wie nun auch mein Objekt zur Begierde wird. Es entwickelten sich einige Gespräche, von fließend deutsch bis senegaläsisch. Mit einem Ehepaar aus der Stadt entwickelt sich ein längeres Gespräch und ich bekomme noch ein paar Tipps mit. Unter anderem das Cabo da Roca, das Pendant zum Nordkap gewissermaßen. Wie konnte mir dieser geografische Punkt entgehen? Um das Nordkap macht jeder ein Gewese, zurecht. Aber den westlichsten Punkt Europas hatte ich nicht auf dem Schirm. Mir fällt auch niemand ein, der je darüber sprach. Kap Arkona, Nordkap, Kap der guten Hoffnung, und Kapische.
Am Nordkap würde hoffentlich(!) niemand auf einem Saxofon Popschnulzen zum Besten geben. Am Westkap in Portugal scheint das leider dazuzugehören. Noch ein kurzes Telefonat mit Bernde, dem ich erkläre, daß da hinten am Horizont in westlicher Richtung Kolumbus von der Scheibe gefallen sein muß, oder er alle verarscht hat. Dann nichts wie weg hier, zuviel Touristen. Im Navi wähle ich schöne Strecke zur nächtlichen Unterkunft, der Residências Artísticas. Nachdem ich im nächsten Dorf in eine gefühlt 30° steile Gasse, durch die nie ein Auto gepasst hätte, gesteuert wurde, mußte ich die Route auf „schnell“ korrigieren. Die Gasse hätte das meinige Leben und das der AWO kosten können. Grad noch breit genug für ein Motorrad, und seitlich noch eine Treppe eingelassen, war es zu spät zum umkehren. Bremsen? Kaum noch möglich. Es grenzt an ein Wunder, hier unbeschadet wieder rausgekommen zu sein. Am Ende wohlbehalten komme ich in besagter Residenz an und traue meinen Augen nicht. Dieses Etablissement tanzt völlig aus der Reihe von den üblichen Übernachtungsmöglichkeiten und ist wahrhaftig für Künstler gemacht. Ein bekannter Musiker, dessen Namen ich leider nicht verstanden habe, gastiert hier regelmäßig und hat sich ein Studio eingerichtet, was wir – mit mir sind noch zwei Italienerinnen mit Rad angekommen – bewundern dürfen. Und mir als Hifi-Enthusiast wird ganz warm ums Herz, als ich die sündhaft teuren Röhrenverstärker, Boxen und Plattenspieler entdecke. Ich versuche dem Herbergsvater klar zu machen, daß ich in diesem Raum übernachte, aber auf dem Ohr scheint er taub zu sein. Bei Pasta und Bier palavern die beiden Italienerinnen und ich noch bis in den späten Abend. Alles Artísticas, tutto al suo meglio.

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20260827

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