Apenas ar quente em Portugal?

21/08 In 3 Tagen nach Lissabon – Tag 3: Ignition error

Hat ein Motorrad eine Seele, einen Willen, oder sowas? Oder einfach nur eine Macke? Wieso fährst du einen Tag glücklich ins gelobte Land, und am Tag darauf hat sich das Ding zickig, um nach Anschiß überhaupt keinen Ton mehr von sich zu geben?
Immer wieder kommt es seit Beginn der Fahrt am heutigen Tag zu kurzen Zündaussetzern. Da ich trotz 350km bis Lissabon sehr gut in der Zeit liege, mach ich eine kleine Pause und check die Zündanlage in der Luftfilterbox. Ich kann nichts erkennen, schau mir nur die Verdrahtung und verschiebe Zündspule und -modul etwas. Besser, aber nicht lange. Beim Tankstopp 160km vor Lissabon nehme ich mich der Sache genauer an. In der Luftfilter Box werden alle Kabel gekürzt und neu verbunden. Zündkabel wird getauscht. Unterm Limadeckel wird der Hallgeber gecheckt, und voilà, da hat sich was durchgeschuffelt. Neu isoliert und alles läuft wieder. Alles wieder verpackt, die Auffahrt rauf auf die Bahn – und aus. Am Ende der Auffahrspur komme ich zum Stehen. Wie in einem Stummfilm, kein Mux mehr. Nicht mal ein Zucken. Und statt oben im Schatten der Tankstelle stehe ich nun in der prallen Sonne. Wieder hochschieben mit Gepäck? Könnte den Hitzetod bedeuten. Ich brülle so laut es nur geht „Scheiße!“ unterm Helm und entledige mich meiner Klamotten. Werkzeug raus alles wieder zerlegen. Mir fehlt ein Messgerät und mit etwas Draht und einer LED prüfe ich ein paar Kontakte. Nach einer halben Stunde hält direkt hinter mir mit Blaulicht der portugisische Freund und Helfer. Ich muß erklären, daß ich hier keine Pause mache und hoffe nicht verhaftet zu werden, weil ich die Warnweste nicht angelegt habe. Stattdessen bietet man mir Hilfe an, Motorrad und Gepäck wieder hoch zur Tankstelle zu bekommen. Alles Gepäck, das ganze Rauschgift und Alkohol, kommt ins Polizeiauto und dann gehts mit Blaulicht und ich schiebenderweise entgegen der Fahrtrichtung die Auffahrtspur zurück zur Tankstelle. Die Symptome sprechen für eine defekte Zündanlage. Und obwohl ich die wunde Stelle am Hallgeber gefunden und geflickt habe, scheint es das Zündmodul zerlegt zu haben. Warum ich noch 200m die Auffahrt hinunterfahren und dann schlagartig Schluß war? Ich weiß es nicht. Meine Mittel sind an der Stelle begrenzt und ich rufe den ADAC. Das übliche Geplänkel beginnt, welche Werkstatt es denn repieren kann und so. Nix repieren in Werkstatt, altes Fahrzeug aus einem Land, welches es nicht mehr gibt, dazu Eigenbau, das Ersatzteil liegt zu Hause. Das könnte ich schicken lassen. Der Haken: es müßte erst programmiert werden. Es könnte auch die Zündspule oder der Hallgeber sein. Dann bräuchte ich eine komplett neue Anlage, was auch nicht möglich ist, da die neuen Zündspulen in Mellingen liegen. Nur Umstände und Ungewissheiten. Und abermals würde ich mehrere Tage verlieren, um auf Post zu warten. Und diesmal kann ich die Pause nicht überbrücken, wie noch beim fehlenden 3. Gang vor einer Woche. Der Frust sitzt tief, sehr tief. Schließ sollte die Elektrik komplett gewartet werden, was aber durch die Pendelei zur Arbeit und damit nur Möglichkeiten an den Wochenenden was am Motorrad zu machen, der mangelnden Zeit zum Opfer viel. Außerdem sind beide Ersatzteile mehr als eine Woche vor Start der Reise bestellt, aber zu spät geliefert wurden. Sonst hätte ich alles vor Ort tauschen können. So stehe ich aber nun völlig vom Mut verlassen in der Pampa an einer portugisischen Autobahnraststätte und will nicht mehr. Der 3. Gang war ein Wirkungstreffer, nach der Zündung lieg ich in der Ecke. Und eine imaginäre Stimme zählt langsam bis 10. Und zu jeder Zahl nennt er eine Panne, die noch auftreten wird, sollte ich es weiter versuchen, mit der AWO nach Lissabon vorzudringen. Ich vereinbare mit dem ADAC die Abholung des Motorrades samt Gepäck und bekomme das Taxi nach Lissabon, sowie den Heimflug bezahlt. Der Mann vom Abschleppdienst scheint damit so seine Probleme zu haben. Das liegt scheinbar einerseits an mangelnder Kommunikation des ADAC mit dem ACP in Portugal, und leider auch daran, daß sein Englisch noch um einiges schlechter ist als meins. Nach endloser Zeit, mittlerweile ist es Abend, wird das Motorrad verladen. Nur, wenn man nicht alles selber macht … Auf einer holprigen Landstraße nach Mação in einer Rechtskurve verschwindet die AWO aus dem Rückspiegel. Ich drehe mich um und sehe sie seitlinks auf der Ladefläche liegen. In einer Linkskurve läge sie jetzt im Straßengraben oder würde gar über den Asphalt an den Gurten hinterhergezogen. Endlich am Abladepunkt angekommen das nächste Problem. Der Servicemann wartet auf das Ok vom ACP wegen dem Taxi. Das muß bezahlt werden. Er will einfach nicht verstehen, daß ich das Taxi bezahle und er lange auf das Ok warten kann. Das Geld hole ich mir daheim wieder. Wir fahren in die Dorfkneipe, vor der ein schönes Taxi steht. In der Kneipe sitzen viele alte Männer. Mit Bier. Und ich glaube, hier fährt heute keiner mehr Taxi. Es beginnt eine angeregte Unterhaltung und ich werde das Gefühl nicht los anhand der Mimik und Tonlage, daß man auf Leute aus Alemanha nicht gut zu sprechen ist und gern ein paar Witze über sie macht. Es ist eine sehr widerliche Situation, in der ich hier stecke. Nach gefühlt einer Ewigkeit erklärt sich auf einmal doch jemand aus dem illustren Kreis der Anwesenden bereit, mich nach Lissabon zu meiner bereits am Vorabend gebuchten Unterkunft zu fahren. Er denkt sich einen Preis aus, sagen wir 250€, und wird schon wissen, daß ich nicht abschlagen kann. Hauptsache, ich bekomme eine Rechnung, bringe ich ihm bei. Er akzeptiert nur bares, was den Besuch eines Geldautomaten erforderlich macht. Außerdem muß er seine Frau noch einladen. Die soll ihn wohl wach halten. Zwei Stunden später sind wir mit Verfahren in der Großstadt (die für mich wie ein überdimensioniertes Halle-Neustadt ausschaut), weil seine Frau beim Navi vorlesen wohl schläft oder das Handy falsch rum hält, endlich am Ziel. Ich wünsche ihnen einen guten Heimweg und klingle an der Herberge. Ein Inder mit gebrochenem Englisch zeigt mir auf dem Dachboden eine Liege. Kein abschließbarer Raum, keine Steckdose, um die Ecke noch andere Liegen. Ich resigniere völlig. Zwei Nächte hatte ich gebucht, ich weiß aber schon jetzt, daß ich den ersten Flieger nehme, den ich kriegen kann. Der ist schnell gefunden, 7.25 Uhr in der Früh. Mit dem Vermieter vereinbare ich, daß 5 Uhr ein Uber vor der Tür steht und mich zum Flughafen bringt. Schnell was essen und duschen, dann kann ich noch 4 Stunden schlafen. Ich setze mich aufs Bett und sehe den Dreck. Ich hebe die Decke hoch und sehe eine Zecke auf Wanderschaft. Hört die Scheiße denn nie auf?

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20260821

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