11/08 Schluchtenstürmer mit feuchtem Ende
Wenn der Campingplatz eine Eselfarm und sonstige Bespassung anbietet, dann geht das für einen sich nach Ruhe und Naturgeräusche sehnenden „ich-will-hier-einfach-nur-raus-und-meine-Ruhe-haben“-Mitbürger – also mich – in der Regel schief. Es hatte eher den Charme eines Ferienlagers. Selbst Babys werden in dieser Affenhitze mitgeschleppt und finden entsprechend keine Ruhe. Keine Ruhe, das ist der Grund der fast schlaflosen Nacht.
Nun denn, auf zur nächsten Etappe. Grenoble links liegen lassend durch Berge und Täler weiter gen Süden. Im Navy den Typ „szenisch“ eingestellt und ab die Fuhre. Warum ich diesem Technikkram überhaupt immer wieder eine Chance gebe, weiß ich selbst nicht. Ich frage mich das – und ich habe gerade genug Zeit das zu tun – weil ich im Stadtverkehr in Grenoble festhänge.
Dann aber doch endlich die Kurven, die mein Herz höher schlagen lassen. Endlich kann das kantige Profil der Reifen wieder rundgefeilt werden und die Mundwinkel ziehen sich wieder nach oben. Auf enge und weite Schluchten folgt so dann das erste Eis auf der diesjährigen Tour. Und nun dämmert es mir, nein, donnert es mir. Ein Gewitter zieht auf und noch halb verträumt mach ich mich von dannen in der Hoffnung, rechtzeitig aus den Bergen, und damit dem Regen zu entkommen. Die Rechnung geht nicht auf. Es fängt an zu schütten und ich habe Mühe, Tankrucksack, Sitz und mich vor dem Regen schnellstmöglich zu schützen. Mich? Welcher gottverdammte Idiot hat die Regenhose in der großen Tasche – und damit auf die Schnelle unerreichbar – eingepackt? Ich? Ich! Außerhalb der Berge ists schön warm und alles trocknet wieder schnell. Auf der anderen Seite der Rhone wieder rein in die Berge und gleiches Spiel von vorn. Ein Gewitter braut sich zusammen und ich decke alles wieder ab. Naja, bis auf die Hose. Ich suche aufgrund der Witterungslage eine feste Unterkunft. Und während ich so suche, schüttet es wieder heftig. Unter einem überdachten Eingang einer Kirche entscheide ich mich nun doch, die große Tasche abzusatteln und nach der Regenhose zu suchen. Mpf! In Regenklamotten und bei schönstem Sonnenschein erreiche ich meine gebuchte Herberge. Zwar 50km in die falsche Richtung gefahren, aber für einen halbwegs bezahlbaren Preis, sowie Aussicht und Ruhe, tut man sowas schon. Ruhe! Nur das Zirpen der Grillen in der Nacht und Sterne am Himmel. Darauf einen Laphroaig!