Apenas ar quente em Portugal?

28/08 Caveman

Schweren Herzens trenne ich mich vom Ambiente, würde ich es doch in dem Studio mit all den Schallplatten sicher ein paar Tage aushalten. Aus einem Reiseführer zwei Tage zuvor hab ich mir ein paar Punkte markiert, die ich für sehenswürdig halte. Doch zunächst wird erstmal die nahegelegene Winzerei aufgesucht, es soll schließlich nicht ohne einen guten Tropfen nach Hause gehen. In der Nähe von Mira de Aire, etwa in der Mitte Portugals, hat man in den letzten Jahrzehnten gleich mehrere Tropfsteinhöhlen entdeckt, zu den ich mir mit Gewalt in Form von Eintrittskarten Zutritt verschaffe. Und nun ist das Glück voll auf meiner Seite. Nein, hat nichts mit der AWO zu tun, das passt dieses Jahr nicht. Ich bin in beiden Höhlen jeweils der einzige Besucher und bekomme somit jeweils eine Privatvorführung. Während die zweite Führung von einem jüngeren Angestellten eher pflichtbewußt erfüllt wird, entwickelt sich in der Grutas de Santo António ein regelrechtes meditatives Treffen zweier Menschen, die bereit und in der Lage sind, sich auf die Höhle, auf dieses natürliche Kunstwerk einzulassen. Er, sicher schon über die 60, philosophiert und fantasiert mit mir über die Bilder und Magie, die sich beim Betrachten der Stalaktiten und Stalakmiten aus unterschiedlichen Betrachtungswinkel ergeben. Mehrmals halten wir inne und geben uns dem zur Galerie ausgeleuchten Kunstwerk hin, deren Stille hin und wieder durch unterschiedlich klingende zu Boden fallende Wassertropfen durchdrungen wird. Die übliche Führungszeit ist längst überschritten und die Freude meines Begleiters scheint überzuquellen, in dem er mir bekundet, wie außergewöhnlich es für ihn ist, mit mir jemand gefunden zu haben, der sich auf viel mehr, als blose Handyfotos und schnell durch, eingelassen hat. Sicher, Fotos hab ich auch gemacht, aber die Kamera ruhte auch bei der Konversation und bei meditativen Momenten. Für diese Momente braucht man Glück auf einer Reise, aber man muß es auch herausfordern. Auch wenn die Reise mit der AWO an sich schon eine Herausforderung ist.
Vorbei am Castelo de Tomar, welches ich nur von außen betrachte geht es wieder auf eine Farm zum übernachten. Wohl die letzte Übernachtung dieser Art auf der diesjährigen Reise. Die AWO hat mich ein paar mal im Stich gelassen, und zu allem Überfluß hat nun auch eine Wespe ihren Stich bei mir gelassen. Und weil es so gut tut, gleich doppelt in den Nacken. Abends beim Nudelkochen fühle ich mich schlapp, nicht unbedingt physisch, wie sonst. Aber die Geschehnisse der letzten Tagen liegen zu sehr diametral zu dem, was ich mir in meinem – zugegebenermaßen manchmal chaotischen Kopf – ausgemalt habe. Sicher könnte ich noch ein bißchen Action machen, aber dann bräuchte ich Urlaub vom Urlaub.

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20260828

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