13/08 Mopedprinz sticht Ted
Die Sonne hatte gestern Abend ein Loch. Dachte, das geht nicht gut und hab mir den Zeltaufbau gespart. Nur auf die Matratze gelegt und in die Sterne geguckt. Und was soll ich sagen, der Schrecken nahm seinen Lauf. Erst kurz vor Mitternacht übernahmen die Eltern wieder die Macht über ihre Kinder von meinem Liegeplatz nebenan. Als diese Schlacht ausgefochten war, kamen die Nachbarsleut vom Grundstück nebenan und gaben sich alle Mühe, keine Gedanken an Nachtruhe zu verschwenden. Da wurde Fiffi hinterhergebrüllt, weil der wahrscheinlich auch die Schnauze voll hatte und stiften wollte. Danach wurde nach der Katze gerufen, welche dann auch irgendwann über den Zeltplatz trottete und durch den Zaun ins traute Heim entschwandt. Und so endet eine laue Sommernacht in der Pampa irgendwo nördlich von Montpellier. Ach ja, ein deutsches Pärchen, Studenten vermutlich, tummelten sich auch auf dem ansonsten leeren Zeltplatz. Nicht der Rede wert. Nur ihr Gesichtsausdruck war mir sehr bekannt, als ich nämlich nach dem „Hallo“ sagen schweigend angeschaut wurde, als hätte ich Arschloch gesagt. Kenn ich von Arbeit, nichts neues also.
Aber eigentlich hätte mir was ganz wichtiges wiederfahren dürfen, nein, müssen, wenn es nach mir gegangen wäre. Im 10km entfernten Aspiran wollte ich mich mit dem Weltreisenden Ted Simon treffen. Seit letztes Jahr Marokko haben wir lose Kontakt. Letztes Jahr klappte es bekanntlich nicht, da er auf Vortragsreise in England war. Auch diesmal wurde es leider nichts. Er sei unterwegs und ich solle mich melden, wenn ich in der Nähe bin. So hab ich es getan, doch meine Mails und Anrufe blieben unbeantwortet. Im sei verziehen. Ich glaube, er hat mehr als genug Leute, die ihn ebenfalls sehen und mit ihm reden wollen. Mit Mitte 90 hat er durch seine 2 Weltreisen, sowie Bücher und Reisebekanntschaften immer ein volles Programm.
Also auf zur Grotte de la Verna in den Pyrenäen, welche 2020 versagt geblieben ist und die Türen verschlossen waren. Heute weiß ich, man hätte online Tickets buchen müßen, da steht kein Tickethäuschen am Eingang. Also nehme ich die über 400km bei Backofentemperatur in Angriff. Ich befinde mich hier in Südfrankreich, und hier geht nichts mehr unter 40°C ab Mittag. Ein Höllenritt, wenn man so will. Kurz hinter Carcassonne – die impossante Festung diesmal nur von weiten gesehen auf der Umgehungsstraße – dann mein berühmtes déjà vu. Es kracht und ruckt im Getriebe, daß mir schwant, das Ende der Reise ist mal wieder nah. In einem kleinen Dorf ein schattiges Plätzchen gesucht und bang unter das Motorrad nach Getriebe und Kardan geschaut. Äußerlich sind keine Schäden zu erkennen, doch eine Weiterfahrt offenbart, der 3. Gang wird mich keinen Berg mehr hochtreiben. Unter Lasst versagt dieser völlig und ist nur noch auf ebener Strecke mit Vorsicht zu betreiben. Meine Tour liegt noch in den Anfängen, auch wenn es schon Südfrankreich ist und die majestätischen Pyrenäen zum Greifen nah sind. An einem Sport- und Outdoorladen mache ich Halt und check zwei Dinge. Meine zuvor am Auspuff versauten Wanderschuhe werden durch neue ersetzt.
Und was hat es nun mit dem Eingangs erwähnten Mopedprinz auf sich? Ganz einfach, ich ziehe meinen Telefonjoker und schwöre ihm, daß ich nur anrufe, weil ich wissen will, wie es ihm geht. Er ist schwer davon zu überzeugen und so komme ich doch beiläufig irgendwann auf meinen 3. Gang zu sprechen und ob er jemand kennt, der sich damit auskennt. Naja, lange Rede, kurzer Sinn. Morgen geht ein Expresspäckchen auf Reisen und wir hoffentlich an den Markt geliefert, vor dem ich gerade stehe. Remy, der Verkäufer des Ladens, hat mir beim Übersetzen und Kontakte kontaktieren sehr geholfen. Und da alle Möglichkeiten, die Richtung Grotte de la Verna liegen ausgeschöpft sind, blieb eben nur noch dieser Markt als beste Lösung. Sprich, sollte ich bis zur Grotte fahren, muß ich auf jeden Fall die ca. 180km hierhin zurück. Es dauert seine Zeit, dies alles zu klären. Es ist inzwischen 19 Uhr, Zeit, eine Unterkunft zu finden. 20km in die falsche Richtung liegt die Hostellerie de La Poste, mit Pool. Für den komme ich aber zu spät. Denn ziemlich schick sitzen die Gäste bereits zum Abenddinner und da darf wohl direkt daneben keiner mehr planschen. Ein abgekämpfter Steppe gurgelnd im Pool unter Beifall der Abendgesellschaft? Also dusche ich nur und mach mich schick, so sehr ich kann und geselle mich unter die feinen Leute. Mein mangelndes Französisch offenbart aber, daß ich von Glück reden darf, hier überhaupt geduldet zu werden. Zwei Glas Rosé, ein großer Salat, danach auf den Zimmerbalkon und die Ruhe genossen. Die Ruhe? Durchs Dorf schallt „Macarena Macarena“ oder wieder Mist heißt. Selbst in einem abgelegen Pyrenäental muß die Gesellschaft bis tief in die Nacht bespasst werden.