Apenas ar quente em Portugal?

15/08 Die Reise zum Mittelpunkt der Erde

7.30 Uhr, der Wecker klingelt. Alles ist klamm nach dem Gewitter gestern, aber ich muß in die Klamotten kommen. Schnell das bestellte Baguett in der Rezeption abgeholt, ein sehr kurzes Frühstück erledigt, und auf zur Grotte de la Verna. Am Treffpunkt wird in einen alten Landrover umgestiegen und mit Dieselgeruch im Fahrgastraum gehts hinauf zum Höhleneingang. Jeder bekommt seinen Helm mit Lampe verpasst und dann beginnt der Einstieg. Durch einen langen Gang zerrt es wie Hechtsuppe. Ich habe von Temperaturen von 5 oder 10°C gelesen in der Hölle. Man soll sich mit Trakkingschuhen ausrüsten und warme Klamotten anziehen. Ich sehe einige der Besucher in Tshirts und Freizeitschuhen. Dem Führer der Gruppe scheint das nicht zu stören. Als wir endlich den eigentlichen Weg durch die Höhle erreichen, staune ich nicht schlecht. Meine Kamera verschwindet nach den ersten Bildern sofort im Rucksack, denn es werden beide Hände gebraucht. Es geht über glitschige Steine einen Pfad hinab, der sicheren Tritt und Aufmerksamkeit verlangt. Nur mit Helmlampe ausgestatt tappst man den Vordermann, oder -frau, hinterher. Ich denke sofort, in Deutschland gäbe es das nicht. Kein abgesicherter Pfad mit Geländer und ausreichender Beleuchtung? Verboten! Die Frau vor mir hat mir ihren Freizeitlatschen sichtlich zu tun. Selbst ich hab mit meinen Meindl-Trakkingstiefeln auf nassem Stein nicht immer Halt. Aufgrund der Dunkelheit und der Schwierigkeit beim Kraxeln komme ich kaum zum fotografieren. Warum auch, über uns ist keine Decke zu erkennen. Schon der Weg Richtung Galerie muß riesig sein. Erleuchtet wird nur der Boden vor uns durch die Helmlampen. Mehr und mehr fühle ich mich in den Film „Die Reise zum Mittelpunkt der Erde“ mit James Mason versetzt. Die Kälte der Höhle verspüre ich nicht mehr. Die Kletterei hoch und runter kostet Mühe. Vor mir hüpfen junge Leute mühelos über Steine und kleine Abgründe hinunter. Das konnte ich früher auch mal, denke ich, aber jetzt mit kaputter Bandscheibe und Fotoausrüstung im Rucksack … Ich bin übrigens der einzige, der was mitschleppt, die anderen tragen nur Handy. Ist modern heutzutage, aber ich bin von gestern. Nun endlich scheinen wir die große Galerie erreicht zu haben. Alle löschen das Licht, und der Ruf des Führers in die Weite lässt ein Echo vernehmen, das schon jetzt beeindruckendes erwarten lässt. Und dann beginnt das Spiel. Nein, keine Lasershow oder sowas. In verschieden Ecken gehen langsam, sehr langsam die Scheinwerfer an und leuchten in Zeitlupe immer mehr Fläche der Höhlenwände aus. Stück für Stück fügt sich Pussel für Pussel zu einem grandiosem Anblick: die große Galerie erweckt zum Gesamtkunstwerk! Mich haut es förmlich aus den Latschen. 250m im Durchmesser und 194m in der Höhe, und das unter der Erde. Nach genügend Zeit, dieses Imposarium zu bestaunen, beginnt der Aufstieg zum Startpunkt der Wanderung. Und nun wird klar, warum kein Licht brannte und wir nur die Helmlampen nutzten. Die Galerie hätten wir sonst gleich am Anfang erblickt. Noch einige Minuten geniessen wir den Anblick von oben, bevor wir la Verna wieder verlassen. Das war sie nun, die große Höhle, von der ich im Fernsehen schon einiges gesehen habe. Inmitten dieser Galerie zu stehen bleibt ein unvergessliches Erlebnis.
Ziemlich kaputt komme ich mittags am Zelt an, beiße vom Baguett und der Salami ab, trinke einen Becher Wein und falle schlafend auf meine Matratze. Erst das Gewittergrollen gegen 3 weckt mich und kündigt nasses von oben an. Schnell noch einen Kaffee gekocht und alles unters Vorzelt verstaut sitze ich mit meinem Pott im Zelt und warte das Gewitter ab. Der Rest des Abends bin ich immer noch auf Reise in das Innerste der Erde.

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20260815

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