• Kampf ums Kap

    Tag 20 (15/06): Losgelöst

     Was war dieser Tag für ein Wohlgefühl für die Sinne! Wenn man reist, stellt sich dieses Feeling, dieses sich Gehen und Treiben lassen meist erst nach ein paar Tagen ein. Man kommt langsam runter, und irgendwann, unbewußt, aber es macht klick und du weißt, ich bin auf dem richtigen Level. Zu Hause geht das vielleicht im Schnellverfahren mit einem Joint. Aber hier brauchst du das Zeugs nicht. Ist ein anderer Zustand, den man einnimmt. Ehrlicher, direkter. Nach Lappland war ich schon soweit. Aber mein Motor war so etwas, wie der Wecker Montags früh um 5 nach einem durchzechtem Wochenende. Sowas will man nicht haben. Die gestrige Fahrt zum Nordkap war…

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    Tag 19 (14/06): Kap der guten Hoffnung

    Das war es dann also. Gedacht als Vorspiel auf die Lofoten sollte das Nordkap nur Beiwerk werden. Durch die Entwicklung der letzten Tage entwickelte sich die Geschichte um jenes aber anders. Das Kap sollte zum Gradmesser für mich werden. Zum Mass dessen, was mit einer gehörigen Portion Irrsinn und eine Menge Unterstützung guter Freunde nach einem kapitalen Motorschaden 3000km von zu Hause weg, möglich ist. Nach dem mir also das Kunststück gelungen ist, praktisch ohne Hindernisse einen Motor an Board eines Flugzeuges nach Alta zu bringen, zog es mich halb, und drängte mich auch halb zum Nordkap. Ich halte die Kugel nach wie vor für Touristennepp, aber in dem Fall…

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    Tag 18 (13/06): Hoffnung(slos)

    Nun denn, auf zur letzten Etappe der Wiedergeburt. Ich muß zur Werkstatt, in der mein Vehikel auf ein neues Herz wartet. Zu Fuß mit einer Kiste von über 20 Kilogramm! Mit etwas Überredungskunst kriege ich einen deutschen Touristen dazu, mich samt Kiste an der Werkstatt abzusetzen. Läuft doch! Dann folgt Routine. Hinterrad raus, Getriebe raus, Motor raus. Aber, die Schwungscheibe samt Kupplung scheint schon locker zu sein und wackelt schon etwas. Aber die Schraube ist fest!? Dann läuft es mir eiskalt den Rücken runter! Jupp, die Schraube ist fest und hält den Konus der Schwungscheibe auch anständig auf dem Stumpf der Kurbelwelle. Leider hat der Konus mit dem hauptsächlichen Rest…

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    Tag 17 (12/06): Alta sehen und …

    Meister Lutz fährt mich aus Dank, daß ich sein Werkzeug benutze und sein Kaffee wegsaufe morgens zum Flixbus. Im Gepäck über 20kg Motor. Im Flughafen Schönefeld stelle ich mich mit flauem Gefühl am Checkin an und warte, bis ich an der Reihe bin. Ich bin kurz vorm Herzkasper. Die Keule kommt. Aber erst die kleine. 3kg Übergewicht. Also der Motor, nicht ich! Macht bei 12€/kg 36€. Und für Flieger Nr.2 von Oslo nach Alta gleich noch mal 36€. Ich bin also 72€ los und der Zoll hat die Kiste noch nicht mal gesehen. Die Kiste rollt auf dem Band davon, ich begebe mich in die Wartezone und mampf erst mal…

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    Tag 16 (11/06): Böses Erwachen

    Heute also einen neuen Motor zusammenbauen und verpacken. Kein Thema. Bin ich zum Kaffeetrinken fertig. Bis Bernde mir einen kleinen, aber in seiner Tragweite außerordentlich wichtigen Hinweis gab. Ich solle doch ein bißchen Papiere oder so für den Zoll bereit halten, falls die Fragen haben. Zoll? Riesenscheiße, an die hab ich bei dem ganzen Zirkus überhaupt nicht gedacht. Greife also zum Telefon und es folgen Telefonate mit ADAC und Norwegian Air, bei denen mir immer weiter das Gesicht einschläft. Gewicht war ein Problem, ein kleines. Am Ende hab ich durch Weglassen einiger Teile, die ich vom alten Motor nehmen kann, 19.5kg ohne Verpackungsmaterial erreicht. Zoll? Ich zahle auch Zoll, wenns…

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    Tag 15 (10/06): Flieg Vogel, flieg

    Alta – 3° Regenschauer. 7 Stunde später Berlin – 30° Schwüle. Da weiß man doch nicht, was man anziehen soll. Mein erster Flug. Habs überstanden. Wobei Alta schon interessant war. So kurz nach dem Start eine 270°-Kehre. Da wurde mir schon etwas mulmig. Ansonsten lief alles glatt und Etappe 2 der Wiederbelebung ist geschafft. Morgen einen Motor zusammen bauen und verpacken. Mittwoch gehts wieder zurück nach Alta.

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    Tag 14 (09/06): The Show must go on

    Nach dem sich gestern schlagartig ein ganzer Urlaubsplan auf den Kopf stellt, wurden gestern Abend Frustbewältigung und ein Versuch der Rettung des Ganzen unternommen. Ich handle das mal kurz ab. Ich mach 3 Kreuze, sollte ich es wirklich schaffen, mit einem neuen Motor am Donnerstag das Nordkap anzusteuern. Im Kopf schwirren so viele Unwegbarkeiten rum, daß ich mir nicht sicher bin, ob das nicht alles im Fiasko endet.

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    Tag 12 (07/06): Der 50-50 Tag

     Ein Tag, nicht Fisch, nicht Fleisch. Erst mal gemütlich gefrühstückt, einmal kurz nach Finnland rüber, rein in die Reifenbude und warten. Der Bote kommt highnoon. Und als der Bote den Laden betritt, hat er meinen Reifen in der Hand. Freu! Eine Stunde später fahre ich neu besohlt und mit puren Optimismus gen Norden. Wobei die Sonne für hießige Verhältnisse gewaltig vom Himmel kracht. Knapp 30°!Folgen wollte ich der vorgeschlagenen Route von meinem Freund Roger. Über Pokka und Inari. Roger, wenn ich nicht genau wüßte, daß wir ein freundschaftliches Verhältnis haben, müßte ich annehmen, daß du mich abgrundtief hasst. Die Straße nach Pokka entpuppt sich als Offroadstrecke vom Feinsten. Erinnerungen an…

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    Tag 11 (06/06): Feiertag, nicht für mich

     Nicht mein Tag. Ich will kein Risiko eingehen und mich lieber gleich um einen neuen Reifen kümmern, statt am Nordkap mit Glatze da zu stehen. Ich rufe also ein paar Firmen an, und werde immer mit automatischen Ansagen abgespeist. Na gut, dann also zurück in den nächst größeren Ort. Und dann schwant mir was. Ein kurzer Blick ins Internet und mein Verdacht wird bestätigt. Nationalfeiertag in Schweden. Gegen 10 hatte ich sogar den Adac angerufen. Die kümmern sich und rufen mich zurück. Auf die Kümmerei warte ich 10 Stunden später immer noch. Scheiß drauf, ich hab oft genug erfahren, daß die Hilfe eher für andere Kunden im Sinn haben. Hab…